Wenn Sie die Nordseeküste besuchen, erleben Sie eine weltweit einzigartige Naturlandschaft: Das Wattenmeer. Im Juni 2009 ist das Wattenmeer in die UNESCO-Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen worden.
Das Weltnaturerbe Wattenmeer erstreckt sich über den deutschen und niederländischen Teil des Wattenmeers. Es handelt sich dabei um ein Gebiet von fast 10.000 Quadratkilometern entlang der Küste mit einer Länge von rund 400 Kilometern.
Das Wattenmeer ist eine außergewöhnlich dynamische Landschaft. Nirgendwo auf der Welt hat sich unter dem Einfluss der Gezeiten eine vielfältigere Landschaft entwickelt, die sich noch heute immer wieder verändert. Diese Vielseitigkeit der Landschaft macht das Wattenmeer zu einem einzigartigen Lebensraum für mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten. Für Millionen von Zugvögeln ist das Wattenmeer als Zwischenstopp und Rastgebiet unverzichtbar.
Das Wattenmeer umfasst verschiedene Lebensräume. Dazu gehören u.a. Watt, Salzwiesen und Dünen. Das eigendliche Watt sind die Flächen, die bei Hochwasser uberschwemmt sind und bei Ebbe trocken fallen. Das Watt nimmt zwei Drittel des gesamten Wattenmeeres ein. Die große graubraune Weite, die sich bei ablaufendem Wasser zeigt, ist beileibe keine Schlickwüste.
Das Watt lebt! Um diesen Lebensraum mit seinem Nahrungsreichtum und seiner hohen Produktivität dauerhaft zu erobern, haben Tiere und Pflanzen besondere Strategien entwickelt.
Die ersten Lebenszeichen auf dem Weg ins Watt lassen sich mit den Füßen ertasten: Bräunlich-glitschig überziehen Mikroalgen den Wattboden. Das sind einzellige Pflanzen, die sich von Mineralstoffen ernähren. Dabei erzeugen sie kleine Sauerstoffbläschen im Wasser.
Bei Überflutung können sie sich unter die Wattoberfläche zurückziehen und eine Weile dort überdauern. Ohne Algen gäbe es kein Schlickwatt, denn sie verkitten die Sedimente mit ihrem Schleim. Sie stellen den Weidegrund für die nächsten Glieder im Nahrungsnetz dar.
Wir begegnen bandförmigen Spuren, ein Hinweis auf die Weidegänger. Breite Bänder ziehen die Strandschnecken, schmale die winzigen Wattschnecken, die mit ihren Raspelzungen die Algen abgrasen.
Im ruhigen Wasser des Mischwatts fühlen sich Platt- und Tellmuschel und die Pfeffermuschel wohl. Im Boden eingegraben, saugen sie die Algen mittels eines langen Saugrohres von der Oberfläche ab - diese Strategie nennt man Pipettieren.
Eine Etage darunter, in ca. 30 cm Tiefe, leben die Sandfresser. Der Wattwurm wohnt in einer U- förmigen Röhre. An einem Ende frisst er das Sediment in sich hinein, verdaut die darin erhaltenen Nährstoffe und entsorgt den Sand am anderen Ende. An der Oberfläche erkennen wir die Röhrenenden als Trichter bzw. als Kothäufchen, die wie Spagetti aussehen.
Wattwandern: Wattwanderungen sollten Sie nur unter Leitung von erfahrenen, geprüften Wattführer unternehmen - zu Ihrer eigenen Sicherheit und zur Vermeidung von Störungen. Die Wattführer sind dafür verantwortlich, dass im Sinne und zur Sicherheit aller Teilnehmer die rechtlichen Bestimmungen für Sicherheit und Ordnung eingehalten werden.
Kinder unter acht Jehren dürfen an Wattwanderungen von mehr als 90 Minuten Dauer nicht teilnehmen - die Strapazen sind nicht zu unterschätzen!
Nehmen Sie warme Kleidung und eine Kopfbedeckung mit! Im freien Watt kann es auch im Sommer empfindlich kalt werden.
Sprechen Sie sich mit dem Wattführer ab, ob in Gummistiefeln, Turnschuhen oder barfuß gelaufen wird.
Weitere Informationen zum Nationalpark und auch über Wattwanderungen erhalten Sie in den Nationalpark-Häusern und Zentren an der Küste bzw. auf den
Inseln.
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